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Eine afrikanische Sicht auf Dithmarschen
Sarah Safari berichtet von ihren Erfahrungen

Am 10. Oktober machte sich Sarah Safari Meena aus Wesselburen auf den Weg, um im Rahmen des Projekts „Freiwillige Inklusiv“ in Meldorf über ihre ersten Erfahrungen nach der Ankunft aus Kenia im Februar 2016 in Dithmarschen zu berichten. Safari ist Süd-Nord-Freiwillige und arbeitet für ein Jahr im Jugendzentrum Wesselburen mit.


Inzwischen hat sie sich schon ganz gut eingelebt, ist vielen Jugendlichen, insbesondere den Mädchen, eine Stütze und kann auch schon sehr gut auf Deutsch erzählen. Aber das Ankommen in einem fremden Land mit ganz anderer Kultur ist natürlich nicht einfach. Safari berichtete anschaulich von besonderen Eindrücken:

Die Kälte war der erste Schock. Sie brauchte mehrere Tage, um sich an die ganz neuen Empfindungen auf ihrer Haut einzustellen und ihre Kleidung an die Temperaturen anzupassen.


Die Direktheit der Norddeutschen ist besonders am Anfang ganz schwierig anzunehmen: der direkte Augenkontakt, aber auch die Angewohnheit, sich offen und kritisch zu äußern – für jemanden, der aus einer Kultur kommt, in der eher indirekte Kommunikation normal ist, ist dies sehr unangenehm.
Aufgefallen sind ihr die lockere und offene Kleidung – Jeans und kurze Röcke, Anzugträger gibt es auf dem Dorf gar nicht. Gewöhnungsbedürftig waren auch andere offene und in ihren Augen sehr intime Kontakte – zum Beispiel das offene Küssen und Berühren von Liebespaaren, zum Teil sehr jungen Menschen. Auf Festen wird ebenfalls sehr eng getanzt und gekuschelt. Dieses Verhalten wäre in der Öffentlichkeit in Kenia undenkbar.


Die Kirchen in Norddeutschland sind viel größer als in Kenia – dafür aber leerer mit meistens älteren Besuchern, mit wenig Bewegung. Zuhause sind die Kirchen lebendiger – es wird getanzt und mit Freude zu Gott gesungen.
Die deutschen Haushalte haben technische Geräte, die in Kenia nur in reichen Häusern genutzt werden – daher Unkenntnis im Umgang mit den Geräten – um Geduld und Verständnis wird gebeten.


Die Mülltrennung ist sehr wichtig –ein ganz neues Erlebnis für Safari, die dies positiv bewertet.


Wenn man in Dithmarschen jemanden besuchen will, muss man vorher Bescheid sagen und mit wieviel Leuten man kommt. In Kenia geht man spontan auf Besuch. Und die Pünktlichkeit sei hier auch viel wichtiger als bei ihr zuhause.
Insgesamt seien die Teilhabe an familiären Ereignissen und der Kontakt in der Nachbarschaft viel geringer. In Wesselburen fühle sie sich aber wie zuhause – dort grüßen sich die Leute auf der Straße, jeder kennt jeden … im Unterschied zur Stadt, wo für sie ungewohnt viel Anonymität herrscht.


Ganz neu ist für sie das Verhältnis zu Hunden und Katzen als Haustiere. Der Umgang mit den Tieren als Gefährten wird als sehr merkwürdig empfunden.
Aufgefallen ist ihr auch, dass hier viel Bier und Alkohol zu gewalttätigen Ausbrüchen führe – aber das sei sicherlich auch anderswo der Fall, wenn viel getrunken wird.


In der Gruppe der Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich interkulturell zusammensetzte, wurde in mehreren Sprachen über die Erlebnisse von Safari diskutiert und verglichen - auf Deutsch, Englisch, Suaheli und Tigrinya. Die jungen Männer aus Eritrea konnten viele der Aussagen von Safari nachvollziehen. Chloe aus den USA, gerade auf Europareise, hörte den Ausführungen interessiert zu. Man verglich den sehr freizügigen Stil der Nordeuropäer mit zumindest nach außen eher „gesittetem“ Verhalten, insbesondere im Verhältnis der Geschlechter zueinander.


Das Zusammentreffen und der Austausch über unterschiedliche kulturelle Standards zeigten wieder, wie wichtig solche interkulturellen Begegnungen mit Offenheit und Akzeptanz gegenüber dem Anderssein sind. Und dass die Zeit miteinander dazu führt, das Andere wertzuschätzen.


Wir wünschen Safari noch viele gute Lernerfahrungen in Wesselburen und Dithmarschen und hoffen, dass sie bei ihrer Rückkehr nach Kenia viel Gutes über Dithmarschen zu erzählen hat und auch das „Merkwürdige“ hier in unserer Kultur einordnen kann.

Die Gruppe der Freiwilligen wird sich in Zukunft auch weiterhin mit dem „Ankommen in Dithmarschen“ beschäftigen und insbesondere die Erfahrungen der eritreischen Neuzuwanderer in einer Dokumentation und möglicherweise auch weiteren Formaten veröffentlichen. Das nächste Treffen im November wird rechtzeitig angekündigt, für mögliche weitere Interessenten an dieser gemeinsamen Arbeit.

(Text: Andrea Bastian)

Gemeinsam lauschte man der Referentin. (Fotos: Chloe Collyer)

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