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Zivilgesellschaft und ich
Perspektiven für aktive Teilhabe für junge Zugewanderte und Deutsche

Am Wochenende vom 2. bis 4. März 2018 kamen 30 hauptsächlich junge Menschen aus Ratzeburg, Kiel, Neumünster und Meldorf zusammen, um sich mit ihren Perspektiven zivilgesellschaftlichen Engagements zu beschäftigen. Im Projekt „Freiwillige Inklusiv“ hatten wir zum Wochenendworkshop eingeladen. Ein Teil der jungen Männer und Frauen stammt ursprünglich nicht aus Deutschland, sondern aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Polen, USA. Das Seminar fand im Seminarhaus Artefact, einem Zentrum für nachhaltige Entwicklung, globales Lernen und lokales Handeln in Glücksburg an der Ostsee statt.

 

Für einige der Teilnehmenden war bereits die Anreise ein herausragendes Erlebnis: noch nie hatten sie eine Schneelandschaft erlebt, wie sie in diesen Tagen im nördlichen Raum Schleswig-Holsteins, besonders in der Nähe Flensburgs zu bestaunen war. Nach anfänglichem Zögern gab es dann in den Pausen immer wieder Schneeballschlachten.Aber auch die Unterkunft selbst lud zur Bewunderung ein: die meisten waren im ökologischen Gästehaus mit nubischer Architektur und Lehmgewölben untergebracht. Einige wohnten im Sonnenhaus, das mit einer großen Solarheizanlage ausgestattet ist.

 

Werner Kiwitt, Geschäftsführer von Artefact, lud am Sonntagvormittag zu einer ausgiebigen Besichtigung des Energiepowerparks ein und zeigte sehr anschaulich, wie die Gebäude ihre Energie aus eigenen erneuerbaren Quellen gewinnen und wie Solar- und Windkraftanlagen für dezentrale Energie eingesetzt werden können. Für Huruy aus Eritrea, der Elektriker werden will, waren dies tolle Anregungen für ein späteres Engagement in diesem Bereich.Am Samstag lud Imke Frerichs, Referentin von Brot für die Welt in der Diakonie SH, die Teilnehmenden ein, sich mit Gerechtigkeit und aktiver Teilhabe in der Zivilgesellschaft zu beschäftigen.

 

In Gruppen erarbeiteten alle spielerisch Strategien, wie z. B. der Fischbestand im Meer bei gleichzeitigem Konkurrenzdruck und Profitstreben erhalten bleiben kann. In einer kreativen Übung sollten alle ihr „gerechtes Dorf“ malen, ohne sich in Worten darüber austauschen zu können. Beide Übungen sorgten für einige Aha-Erlebnisse. Imke Frerichs trug weiterhin vor, was Zivilgesellschaft ausmacht und was dafür benötigt wird: nämlich Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

 

Nur 2 % der Weltbevölkerung leben in Ländern mit offener Zivilgesellschaft, wie der „Atlas der Zivilgesellschaft“ von Brot für die Welt darstellt. Hierzu gehört auch Deutschland. Der Atlas fand bei allen Teilnehmenden großes Interesse.Danach tauschten sich alle darüber aus, was sie an Stärken und Kompetenzen mitbringen und wie sie sich aktiv einbringen können.Der Samstagabend lud zu einem Trommelworkshop mit Regine Böhm aus Glücksburg ein und es wurden unterschiedliche afrikanische Rhythmen mit viel Spaß erprobt.

 

Alle Seminargäste waren am Ende des vollen Wochenendes sehr zufrieden und glücklich – auch darüber, dass sich unter den jungen Leuten viele neue Kontakte aufgebaut hatten.Die Organisatorin des Workshops, Projektkoordinatorin Andrea Bastian, war ebenfalls sehr erleichtert und glücklich darüber, dass es gelungen war, so viele unterschiedliche Menschen an die Themen der aktiven Teilhabe in der Zivilgesellschaft heranzuführen – auch wenn es im Alltag für viele aufgrund der Herausforderungen bei der Integration in Deutschland nicht einfach ist.

 

Fotografisch und filmisch begleitet wurde der Workshop von der syrischen Filmerin Sara Alkoud, die selbst noch mitten im Integrationsprozess steht, aber hier ihre besonderen Kompetenzen zeigen kann.

(Text: Andrea Bastian, Fotos: Sara Alkoud)

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